Luigi Nono

Der Venezianer Luigi Nono (1924-1990) gehört zu den zeitgenössischen italienischen Komponisten mit internationalem Ruf. Luigi Nono und Claudio Abbado waren befreundet und arbeiteten an gemeinsamen Projekten.
Luigi Nono hat 1956 das Chorwerk "Il canto sospeso" auf Basis von Abschiedsbriefen junger Frauen und Männer komponiert, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Der "Canto", in Kooperation mit Claudio Abbado filmisch umgesetzt, ist der Kern des Nonoprojekts für Schulen in Europa im Rahmen des Netzwerkes "Le Scuole di Pace".
Claudio Abbado über Luigi Nono: "Als ich Luigi Nono das erste Mal traf - das war in den sechziger Jahren - spürte ich gleich unsere innere Übereinstimmung in vielen Fragen des Lebens und der Kunst. Ohne daß wir es aussprechen mußten, herrschte zwischen uns inniges Verstehen.
Es war eine stille Freundschaft, mit einer Kommunikation, für die Gigi und ich eigentlich keine Worte brauchten.
In seinen Kompositionen spüre ich deutlich seine Heimat Venedig. Im Hintergrund riß seine Bindung an die lange Tradition venezianischer Musik nie ab, erkennbar in seinem untrüglichen Gefühl für Raumklang, wie ihn etwa Gabrieli in San Marco praktiziert hatte. Auch Gigis Empfinden für Espressiviolinen, für Kantabilität überhaupt wurzelt in der Vergangenheit. Das alles dürfte mitgewirkt haben, daß seine Musik meiner Meinung nach dann am schönsten ist, wenn die menschliche Stimme deren Zentrum bildet, sei es solistisch oder chorisch.
Gigi war ein großzügiger, mitfühlender, gegen Ungerechtigkeiten jedweder Art beharrlich ankämpfender Mensch, und er war offen, offen auch für andere Komponisten wie etwa Kurtág oder Rühm - und nicht nur diese haben durch ihn viele neue Erfahrungen im Umgang mit Musik gesammelt." - Zitate aus
- Claudio Abbado: Erinnerungen an Luigi Nono
