Otto Hahn Gymnasium Bergisch-Gladbach - Leistungskurs Musik
Abschlußgedanken
Als wir zum ersten Mal gefragt wurden, ob wir bei einem Projekt mitmachen wollten, das sich mit dem Werk eines Komponisten, der Briefe von Freiheitskämpfern im 2. Weltkrieg behandelt hat, konnte ich damit erst gar nichts anfangen, war aber auch gleich interessiert. Auch nach einer Recherche im Internet, bei der ich Meinungen über den Film Il canto sospeso und das Nono Projekt fand, konnte ich mir noch kein Bild von der ganzen Sache machen.
Erst nachdem wir dann auch den Film angeguckt haben, war mir klar, worum es überhaupt bei dem ganzen Projekt ging. Den Film fand ich einerseits eindrucksvoll aber auch erschreckend und bedrückend. Ich fand es gut, dass wir erst nach dem Film die abgedruckten Briefe bekommen haben, denn vorgetragen (Film) fand ich die Texte beeindruckender. Wir haben nach dem Film lange über die Verbindung der Musik mit den im Film gezeigten Bildern diskutiert. Ich persönlich fand die Bilder wichtig für die Problematik, sie haben meiner Meinung nach allerdings die Musik in den Hintergrund gestellt. Ich habe also die Musik eher als Hintergrund für die Bilder und nicht umgekehrt empfunden. Erst nach dem Analysieren einiger Stücke des Il canto sospeso wurde mir die Bedeutung des Werkes klar. Dies empfand ich auch beim Besuch in der Philharmonie, wo wir das Stück live gehört haben. Ich fand es interessant, weil wir uns vorher ausführlich damit beschäftigt haben, jedoch kann ich mir nicht vorstellen, wie „Laien“ die Aufführung empfunden haben. Diesen ersten Eindruck des Stückes hatten wir nicht, da wir Nonos Musik in Verbindung mit den Bildern im Film kennen gelernt haben. Das ist meiner Meinung nach etwas schade.
Die Arbeit mit dem Il canto sospeso in musikalischer Hinsicht fand ich im Großen und Ganzen interessant. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich die 12-Ton-Musik „gut“ finde, da meiner Meinung nach Musik auf Gefühlen etc. und nicht auf Mathematik basiert, die Arbeit war aber trotzdem interessant und spannend. Aufgrund meiner Meinung zu 12-Ton-Musik fand ich unseren Beitrag zum Projekt besonders gelungen. Beim Vertonen unserer Textcollage habe ich persönlich mich eher von Gefühlen leiten lassen und fand es gut, keine musikalischen Normen und Formen einhalten zu müssen. Im Allgemeinen war ich auch von Anfang dafür, einen musikalischen Beitrag zu erarbeiten, schließlich sind wir ja auch ein Musik LK! Unser Beitrag ist bei der Vernissage ja anscheinend auch ganz gut angekommen.
Die Arbeit daran –das Komponieren und auch das Proben- hat mir meistens Spaß gemacht, aber vor allem fand ich es sehr interessant, was die verschiedenen Kursteilnehmer aus ihrem Abschnitt der Textcollage gemacht haben. Hinter jeder Zeile steckte schließlich viel mehr als die paar Worte und wir kannten ja auch alle die gesamten Briefe. Ich persönlich fand es wichtig, beim Komponieren darauf zu achten, dass das Stück nicht zu „schön“ und zu „fröhlich“ wird. Dies hat wieder damit zu tun, dass ich die Musik (auch die von Nono) eigentlich nur als „Überlieferer“ der Thematik ansehe und den Text in den Vordergrund stelle. Natürlich ist es nicht leicht, ein solches Thema musikalisch zu behandeln und diese Briefe so zu vertonen, dass die Musik den Inhalt intensiviert und nicht „verharmlost“, meiner Meinung nach kann man dies jedoch nicht durch ein bestimmtes Konzept (wie es in der seriellen Musik üblich ist) erreichen.
Insofern hat sich also meine Meinung zu dieser Musik nicht verändert, trotzdem fand ich die Arbeit damit wichtig und vor allem interessant.
- Meike Hensen
Liest man zum ersten mal die Briefe, auf denen der Canto sospeso basiert, so sieht man sich mit den verschiedensten und ganz und gar gegensätzlichen Gefühlen konfrontiert. Auf der einen Seite die pure, nackte und ergreifende Angst vor dem Grauen, der Gewalt, dem Tod. Angst vor der Einsamkeit, Angst vor dem nichts, und Angst vor denen, die nur als „unsre Mörder- schwarz gekleidet“ bezeichnet werden. Auf der anderen Seite jedoch steht die Hoffnung. Beinahe unerklärlich, aber gleichzeitig mit einer unglaublichen Authentizität drücken jene, die sich Auge in Auge mit Tod und Verderben sehen, ihre Hoffnung auf das Gute und Schöne im Leben aus. Diese Hoffnung, die den Betrachter zu Tränen rührt und gleichzeitig den unerschütterlichen Mut derer zeigt, die in diesen Briefen der Nachwelt ihre Gefühle vermitteln. Geschriebene Worte wie etwa: „es ist ein wunderschöner Morgen“ zeigen die unbändige Kraft, die jene ihre Tugend nennen dürfen, die im Glauben an eine bessere Welt aus dem Leben gerissen worden und deren Andenken Werke wie „Canto sospeso“ gewidmet sind.
Man mag vielerlei Aversionen gegen die Zwölftonmusik haben. Doch bleibt unbestritten, dass Nono mit der Vertonung dieser Briefe ein Meisterwerk vollbracht hat. Denkt man, dass die Briefe an sich bereits mit einer nicht enden wollenden Fülle an Emotionen den Hörer bereits auf den Höhepunkt des Mitfühlens bringen, so sieht man dieses Gefühl des Mitgefühls und die Trauer noch verstärkt, wenn man begleitend die Klänge Nonos hört.
Nun, nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema „Nono Canto sospeso“ entwarfen wir in unserem Kurs eine Textkollage aus einzelnen Gedanken und Gefühlen, die die Briefe vermitteln. Der nächste Schritt bestand nun darin, diese Textkollage adäquat zu vertonen. Die Frage des „wie?“ beantwortete sich insofern, als das wir die freie Wahl hatten, ob wir uns im tonalen oder im atonalen Bereich bewegen wollten.
Somit hatten die sieben Kursteilnehmer das Ziel vor Augen; auf den Spuren Nonos wandelnd vertonte jeder von uns eine von ihm gewählte Stelle aus genannter Textcollage.
- Friedrich Goecke
Drittes Reich, Judenverfolgung, Holocaust - all dies waren Themen, mit denen wir uns vor dem Nono-Projekt hauptsächlich nur im Geschichtsunterricht beschäftigt hatten. Hierbei standen dann natürlich Fakten und Tatsachen und nicht Gefühle und Emotionen im Vordergrund. Das Nono-Projekt gab uns die Möglichkeit, die schrecklichen Ereignisse aus der Zeit des 3.Reiches von der emotionalen Seite zu betrachten. Der Film gab uns einen ersten Eindruck von der Musik Nonos. Mithilfe der Fotos ging mir die Musik und somit das ganze Thema sehr nahe. Nachdem wir uns intensiver mit der Zwölfton-Musik und einigen Stücken aus dem Il canto sospeso intensiver beschäftigt hatten, überlegten wir, wie wir in dem Rahmen des Nono-Projekts kreativ arbeiten könnten. Wir entwickelten eine Textcollage, welche aufgeteilt wurde, sodass jeder Schüler schließlich einen Teil vertont hat. Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Stücke geworden waren. Jedoch ist genau diese Individualität der einzelnen Stücke das, was ich an unserem "Werk" so toll finde. Dadurch, dass wir die Stücke selber gespielt haben bzw. diese häufig geprobt haben, sind wir uns so im Kurs noch einmal näher gekommen.
- Katrin Müller
Der Name Luigi Nono war mir zwar bekannt, doch konnte ich mir kein rechtes Bild über sein Werk machen. Das änderte sich durch das erste Hörbeispiel. Durch die Briefauszüge kam das Ganze dann wohl doch näher an mich heran als ich dachte. Zu Beginn plagte mich der Gedanke, das „Dritte Reich“ schon wieder „durchzukauen“, ja dass sogar der Musik LK nicht frei davon war. Durch die Bearbeitung im Kurs wurde mir schnell klar, dass Nono eine ganz andere Sicht auf die Dinge zu werfen schien. Das Leiden hatte einen Namen, genauer gesagt zehn Namen bekommen, vom Kind bis Vater und Mutter, Sohn, Bruder, Tochter, Schwester, Onkel, Tante, Oma und Opa. Als unsere Collage der Briefe vorlag, war ich umso mehr erschüttert, wie nahe dieses Leiden aneinander lag und den individuellen Menschen eine Gemeinsamkeit gab. Es galt nun, einen Teil davon zu vertonen, eine persönliche Bindung herzustellen. Ich wählte eine Kadenz für die Begleitung, um die Nähe der Schicksale besser darzustellen, dem Schrecken ein gemeinsames Gesicht zu geben. In diesem Moment des Denkens wurde mir klar, dass die Vergangenheit uns alle unwiderruflich einholt. Ich denke, es sollte ein Spiegel sein, den man sich bei Zeiten vorhalten muß, um eine solche Schreckenszeit für immer Vergangenheit sein zu lassen und sie nicht erneut erwachen zu lassen.
- Aaron Bongers
Die im Film dargestellten Erinnerungen an die schrecklichen Geschehnisse des zweiten Weltkrieges, untermalt von wirr klingender Musik, die die Stimmungen und Gefühle der gezeigten Personen und Bilder widerspiegelt; so etwas ist nicht ganz einfach zu verarbeiten.
Wir erkannten, dass die vollkommen dissonant klingende Musik doch wunderbar die Stimmung der Bilder unterstreichen konnte und begannen, uns näher mit dieser interessanten, und für uns neuen Musik zu beschäftigen. Bereits die ersten Blicke in die Partitur des Werkes „Il canto sospeso“ ließen eine enorme Durchstrukturiertheit des Werkes und die Genialität des Komponisten Luigi Nono erkennen. Verwundert über den Facettenreichtum erkannten wir immer weitere Details, die das Stück zu dem machten was es ist: ein vom Höreindruck her wirres Stück, welches seine wahre Identität in der Partitur offenbart. Als ein Beispiel kann hier die, auch in der Klassik häufiger praktizierte Verwendung von Notenabfolgen zur Bildung von lesbaren Wörtern, bei Luigi Nono: es – a (SA), genannt werden.
Die Vorarbeit, und auch das Produzieren und Aufnehmen eines eigenen Werkes führten zu einem ganz neuen Hörverhalten, welches sich beim Besuch eines Live-Konzertes verschiedener Werke von Luigi Nono und eines Strawinsky Werkes offenbarte. Durch die Vorarbeit wurde man offener für moderne Musik und begann Musik nicht nach dem ersten Höreindruck zu beurteilen, und bei Missfallen abzuhaken sowie sich für diese Musikrichtung zu verschließen, sondern nach weiteren Kriterien zur Beurteilung und Bewertung zu suchen, letztlich also erst nach gutem Überlegen abzuhaken, bzw. bei Gefallen dann doch zu respektieren.
Das Produzieren, Einproben, Vorführen und Aufnehmen eines eigenen Stückes war eine neue und interessante Erfahrung. Man erkannte, wie wichtig ein richtiger Einsatz und eine präzise Intonation im Zusammenspiel von verschiedenen Instrumenten mit Sängern sind, und der Respekt vor den Orchestermusikern, Chorsängern, sowie dem Dirigenten wuchs. Insgesamt war das Nonoprojekt also eine interessante und wichtige Erfahrung.
- Matthias Theunissen
Alles begann mit dem Film „Il canto sospeso“. Ein Film, der die grausame und reale Vergangenheit des dritten Reiches widerspiegelt, unterstützt von der Musik des Komponisten Luigi Nono.
Unsere ersten Eindrücke und Gefühle zu diesem Film wurden jeweils vom einzelnen Schüler in einem kurzen Text festgehalten. In den darauf folgenden Unterrichtsstunden beschäftigten wir uns mit der eigentlichen Komposition. Wir diskutierten, analysierten und interpretierten einige interessante Werke des italienischen Komponisten und kamen zu dem Entschluss, dass seine Stücke einerseits sehr ungewöhnlich, andererseits faszinierend zugleich sind. Damit war der erste Grundstein gelegt und wir konnten uns an die Projektarbeit machen. In dieser ersten Arbeitsphase entstanden verschiedenartige Kollagen, sowie Gedichte und kleine Kompositionen. Alle Ideen waren gewonnen aus dem Film, der Partitur, den Briefen der zum Tode Verurteilten, sowie ein eigener Höreindruck in der Philharmonie. Nachdem die einzelnen Ideen vorgestellt waren, entstand die Frage, was möchten wir als Leistungskurs Musik am Präsentationstag vorstellen. Klar, unser erster Gedanke war: „Irgendetwas mit Musik!“ Der Vorschlag wurde meines Erachtens mit Begeisterung angenommen. Die Wahl fiel auf eine vom Schüler erstellte Textkollage, die aus einzelnen Bruchstücken der Briefe ein Gedicht ergab. Diese galt es nun zu vertonen. Doch hier begann schon das Problem. Wie vertont man Gedanken von Verurteilten? Wie kann man Musik traurig und grausam darstellen?
Eine herausfordernde Aufgabe für uns, dennoch waren uns alle Türen offen, was die Vertonung betraf. Es entstanden Kompositionen von Acapella bis zu halben Orchestersätzen. Eine Vielfalt an Stücken lag vor uns, doch nun galt es sie einzustudieren und sie so zu präsentieren, wie der einzelne Komponist seine Intention gesetzt hatte.
Am Abend der Präsentation klappte alles bestens. Das Publikum war nicht abgeneigt und wir waren auch zufrieden mit uns.
Der krönende Abschluss für unser Projekt war die Tonaufnahme. Ein paar anstrengende Stunden lagen vor uns, aber ich hoffe, dass das Ergebnis sich zeigen lassen kann.
- Christiana v. Dewitz
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